








Der Uhrenkopf von Johann Friedrich Bick - ein weiteres wichtiges Bindeglied
Die ersten bergischen Uhren waren allesamt Rahmenuhren, die älteste Rahmenuhr ist laut Abeler (S. 26/27) 1708 entstanden, sie ist allerdings verschollen. In der Literatur findet man als älteste Rahmenuhr, aus den gleichen Händen wie die Uhr von 1708, die Uhr von Wilhelm Herder, datiert 1715
(vergleiche Abb. 1).
Bis ca. 1760 entstanden eine Vielzahl dieser Rahmenuhren, Krieg (1994) kennt alleine
rund 30 Exemplare. Tatsächlich dürften in diesem Zeitraum (1715 - 1760) eine weitaus
größere Anzahl an Rahmenuhren hergestellt worden sein. Fast alle dieser bergischen
Uhren wurden in Solingen und Elberfeld (Wuppertal) gefertigt, diese beiden Orte sind
auch die Keimzellen der Bergischen Uhrmacherei. Der quadratische Rahmen wurde
vorwiegend aus Eiche und Kirschbaum gearbeitet, viele dieser Uhren besitzen
zudem außen umlaufend und als Türeinfassung sogenannte Flammleisten
(siehe auch Abb. 1). Als Uhrwerke wurden zunächst Stangenwerke
mit Spindelhemmung und Vorderpendel (sog. Zappler) eingebaut.
Neben der traditionellen Bauweise, Gehwerk und Schlagwerk nebeneinander
angeordnet, gab es auch die Anordnung der Werke hintereinander. Die Vorderzappler
wurden zunehmend durch die Stangenwerke mit (rückführender) Ankerhemmung
abgelöst. Wilhelmus Bick und Johann Wilhelm Herder senior stellten bis in die 50er-Jahre
des 18. Jahrhunderts Rahmenuhren her, von Johann Friedrich Bick ist die jüngste bisher
bekannte Uhr dieses Typus 1761 gefertigt worden (eine frühe Rahmenuhr von Johann Friedrich Bick zeigt Abb. 2).
In den 50er und 60er Jahren des 18. Jahrhunderts vollzog sich eine entscheidende
Entwicklung bei den Gehäusen der Bergischen Uhren. Es änderte sich das Gesims
der Uhrenköpfe, genauer gesagt kam es zunächst zur Ausbildung des
Trapezgesimses, das später (in den 70er und 80er Jahren des 18. Jahrhunderts)
wieder weitgehend durch geschwungene Gesimse abgelöst wurde. Diese Entwicklung
beinhaltete zwei große Veränderungen: 1. Durch die Ausbildung des Gesimses
entstand ein neuer Bereich im Zifferblatt bzw. im Ziffernschild, nämlich der Arkus, der
nun Raum für die Anbringung von Signaturplakette und / oder zusätzlichen Spandrels
brachte, 2. Die Verwendung abgeschrägter Seitenkanten und damit einhergehend
die Verkröpfungen der Gesimse und Kopf-Abschlussleisten. Auf diesen Lisenen war
nun auch Platz für weitere Verzierungen, wie Säulen, Kapitelle oder Beschnitzungen.
Dieser Prozess kann sich aber nicht abrupt vollzogen haben, sondern in mehreren
Schritten, über eine längere Zeitspanne, d. h. sich über mindestens mehrere Jahre
hingezogen haben. Diese Entwicklung beinhaltet, dass es sog. Übergangsformen
geben muss. Von diesen Uhrenköpfen, die solche Übergangstypen darstellen, sind
bislang nur wenige bekannt. Als Beispiele seien hier der Trapezkopf von Johann
Friedrich Bick von 1764 genannt, (Abb. 3) der schon über einen Arkus verfügt, aber
nicht über Lisenen, oder der Uhrenkopf von Wilhelm Bick von 1744 (vergl. Krieg, S. 40),
der noch dem quadratischen Grundriss der Rahmenuhr folgt, aber immerhin schon vorgesetzte in einem speziellen Drechselverfahren hergestellte korkenzieherartige Säulen besitzt. Eine ähnliche Uhr ist im übrigen, wohl vom selben Uhrmacher, die Uhr ist nicht signiert, kürzlich im Handel aufgetaucht. Aus der Literatur ist bisher keine Uhr bekannt, die in solch klarer Weise den oben beschriebenen Übergang bei den Gesimstypen dokumentiert, wie der vorliegende neu entdeckte Uhrenkopf (Abb. 4).
Er ist aus massiv Kirschbaum gearbeitet und besitzt die Maße H: 41,5, (inkl. Glocken 55,5) B: 46, T: 19, ist also verglichen mit einer Rahmenuhr kleiner. Das Gesims mit geradem Abschluss ist verkröpft, vorkragend und profiliert. Auf den Lisenen befinden sich identisch gearbeitete Basen und Kapitelle die hochrechteckig sind und zu den Halbsäulen stark eingezogen in wiederum kleine, schmale Podeste, ähnlich Plättchen, auslaufen. Zwischen diesen sind oben und unten mehrfach eingezogene, zur Mitte hin balusterförmig und hier die größte Dicke erreichende Halbsäulen gesetzt.
Die aus einem anderen Holz als der übrige Uhrenkopf gefertigten Säulen weisen zusätzlich in der Mitte 2 Querrillen auf. Auf der linken Seite des Uhrenkopfes wurde eine Seitentür aufgearbeitet, durch die man das Uhrwerk sehen bzw. kontrollieren kann. Die Uhr besitzt die typischen eisernen Halteösen zum Aufhängen an der Wand.
Der Ziffernschild (Abb. 5) ist, wie zu dieser Zeit üblich aus Eisen gearbeitet und mit
einer schwarzen Farbe, die Krakelee zeigt, gestrichen, sie ist, wenn nicht original, so
in jedem Fall alt und wurde in unserer Werkstatt aufgefrischt. In den 4 Ecken befinden
sich bronzierte Zinnspandrels in der für das Barock typischen Ausführung. Der
gravierte Zinnziffernring hat schwarz eingelegte Stunden- und Minutenzahlen. Jeweils
zwischen den Stundenzahlen wurde ein Stern, ebenfalls schwarz eingelegt, graviert.
Die große barocke Minuterie ist in 5-Minuten-Abständen ausgeführt.
Das Uhrwerk (Abb. 6-9) ist als typisches bergisches Stangenwerk, allerdings mit einer ganz speziellen Variante versehen, gearbeitet. Neben den klassischen Charakteristika, wie innenverzahnter sensenförmiger Rechen, (rückführende) Ankerhemmung, etc. findet man einen innenliegenden Windfang. Durch diese Ausführung wurde das Uhrwerk deutlich höher in den Ausmaßen, als anderen Stangenwerke. Dieses Uhrwerk ist eindeutig die Arbeit von Johann Friedrich Bick, ein nahezu identisches Urwerk findet man bei Krieg (1994) auf den Seiten 36/37. Auffallend ist z. B. auch die völlige Übereinstimmung der Halterung (aus Messing) für das Zwischenpendel.
Die eindeutige Zuordnung des Uhrenkopfes als Werk von Johann Friedrich Bick untermauern 2 weitere Punkte:
1. Die sorgfältig gearbeiteten Zeiger, die er immer in Eisen in seiner speziellen Manier fertigte,
2. Der hier verwendete Zinnziffernring, der fast gleich zu dem ist der dem Trapezkopf von 1754 (Krieg 1994, S.36) eingebaut wurde. Das Werk schlägt halbstündlich auf 2 (original erhaltene) auf dem Uhrenkopf übereinander gelagerte Glocken.
Bemerkenswert sind auch die gefrästen Rillen zur Aufnahme der Darmsaiten in den Aufzugswalzen aus Holz, was in der Tat äußerst innovativ ist.
Im 18. Jahrhundert gibt es in Solingen, denn hier wurde Johann Friedrich Bick geboren und hier arbeitete er auch bis 1738, etliche Familien mit dem Namen Bick. Krieg (1994) beschreibt auch insgesamt 4 Uhrmacher mit diesem Namen, die alle im 18. Jahrhundert arbeiteten. Johann Friedrich Bick ist der ältere Bruder von Wilhelmus Bick, wobei Wilhelmus in Solingen wohnen blieb und Uhren herstellte. Die beiden anderen Bicks, die als Uhrmacher bekannt wurden, Johann Abraham und Johann Wilhelm sind keine Verwandten des oben genannten Brüderpaares.
Interessant ist, dass Johann Friedrich Bick, Erbauer des hier besprochenen Uhrenkopfes, laut Abeler der erste Uhrmacher in Elberfeld war, welches neben Solingen, wie schon gesagt, als das (Innovations-) Zentrum der Bergischen Uhrmacherkunst gilt. Von Johann Friedrich Bick sind zahlreiche Uhren, vor allem Rahmenuhren, bekannt, die Datierungen dieser Uhren reichen von 1726 - 1779.
Der vorliegende Uhrenkopf ist in die Jahre um 1760 herum zu datieren. Die Verwendung der Spandrels, die zweifelsfrei original zugehörig sind (siehe oben, siehe Abb. 5), lassen eine frühere Datierung nicht zu. Auch der Typus der Halbsäulen untermauert diese Einordnung, ihn findet man auch auf etlichen Trapezköpfen.
Dieses weitere Bindeglied zwischen Rahmenuhr und Trapezkopf unterstreicht eindrucksvoll den Entwicklungsprozess, den die Bergische Uhr im 18. Jahrhundert vollzogen hat.
Abbildungen zum Uhrenkopf "Bick"
Abb. 1:
Früheste bekannte Rahmenuhr von Wilhelm Herder, aus:
Abeler, Jürgen (1976): Alt- Bergische Uhren, S. 19.
Abb. 2:
Rahmenuhr von Johann Friedrich Bick, 1731, aus: Abeler, Jürgen (1976): Alt-Bergische Uhren, S. 34.
Abb. 3:
Trapezkopf ohne Lisenen von Johann Friedrich Bick, 1764, aus:
Krieg, Helmut (1994): Uhrmacher im Bergischen Land, S. 37.
Abb. 4:
Uhrenkopf Johann Friedrich Bick, um 1760, Kirschbaum, massiv, 41,5 x 46 x 19
Abb. 5:
Ziffernschild des Uhrenkopfes (Johann Friedrich Bick)
Abb. 6:
Uhrwerk des Uhrenkopfes, Vorderansicht
Abb. 7:
Uhrwerk des Uhrenkopfes, Seitenansicht rechts (Gehwerk)
Abb. 8:
Uhrwerk des Uhrenkopfes, Rückansicht
Abb. 9:
Uhrwerk des Uhrenkopfes, Seitenansicht links, Schlagwerk